Maike Heggblum Kolumne die Norderstedterin Norderstedt
Maike Heggblum

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Ferien im Freibad

Ich liebe das Meer, den Strand und Urlaub – und es gibt kaum etwas Schöneres, als den Blick über den Hamburger Hafen schweifen zu lassen.

Dennoch ist Wasser einfach nicht mein Element. Als Kind im Freibad Toben war mein absolutes Highlight, aber eben auch nur das Toben und Plantschen. Schwimmen lernen fand ich dagegen ziemlich anstrengend und schwierig. Ich zog auch damals schon das Nichtschwimmerbecken dem deutlich kühleren Schwimmerbecken vor.

Bis heute reichen meine Schwimmkünste eher für ein gemütliches Bahnen ziehen, als für einen eleganten Kopfsprung vom Sprungturm.

Badeseen und kleine Tümpel bekommen maximal meine Füße bis zu den Knöcheln zu sehen. Was da wohl alles in der Tiefe lauert?

Nord- und Ostsee betrete ich dafür auch schon mal bis zum Bauch.

Mehr aber auf keinen Fall.

Das Gefühl, den Boden nicht mehr spüren zu können, verunsichert mich zutiefst. Und wann beginnt nochmal die Saison der Feuerquallen? Von den wilden Haien und anderen Tieren, die mir meine wertvollen  Gehwerkzeuge verkürzen wollen, mal ganz abgesehen.

Die Erzählungen von gefährlichen Strömungen, heimtückischen Fluten und meterhohen Wellen, die Menschen für immer verschlucken, sind mir noch lebhaft in Erinnerung. Sicher meinte meine Oma es gar nicht böse, aber es war nun mal sehr prägend.

So richtig schlimm wird meine Abneigung gegen Wasser aber dann, wenn ich heutzutage in ein Schwimmbad muss.

Die Vorstellung mit etwa hundert anderen Menschen eine temperierte große Badewanne zu teilen, jagt mir schon beim Gedanken daran einen Schauer über den Rücken.

Warum?

Weil viel zu viele Badegäste hemmungslos ins Becken pinkeln.

Glauben Sie nicht?

Oh ja!

Es ist tatsächlich bewiesen.

Viele Menschen sparen sich im Schwimmbad den Weg auf die Toilette und pinkeln einfach ins Becken.

Merkt ja keiner.

Von wegen!

In einem  25-Meter Becken konnten Forscher durchschnittlich rund 30 Liter Urin nachweisen.

In großen 50-Meter Becken waren es sogar rund  75 Liter Pipi.

Das ist etwa die Menge, die dem Fassungsvermögen meines Pkw-Kofferraums nahe kommt.

Naja, fast.

Noch schlimmer ist es in den kleinen runden Sprudelbecken, den sogenannten Whirlpools.

Hier scheint das warme Wasser die Badenden noch mehr zu animieren, es einfach mal laufen zu lassen.

Nicht selten ist die Konzentration hier dreimal höher als in den anderen Schwimmbecken.

Ist Ihnen schon übel?

Urin enthält unter anderem Harnstoff, Ammoniak und Kreatine, die in Wechselwirkung mit Desinfektionsmitteln im Wasser Nebenprodukte wie Dibutylphthalat bilden. Das ist ein Weichmacher, der zu Augenreizungen führen kann – ein bekanntes Problem von Vielschwimmern.

Na, können Sie noch?

Und so wird bei einem Schwimmbadbesuch jeder Mitschwimmende von mir mit einem kritischen Blick beäugt.

Na? Erleichtern sie sich gerade?

Ja, der guckt gerade sehr entspannt…

Als wir vor ein paar Jahren auf Ibiza an einem wunderschönen Pool lagen, zog nur wenige Meter von mir ein kleiner Junge seine Badehose runter und pinkelte laut lachend und im hohen Bogen in den Pool.

Unnötig zu erwähnen, dass die dazugehörige Mutter auf ihrer Sonnenliege nur kurz hochguckte und lediglich sagte: Don´t pie in the pool Buddy.

Ah ja, danke!

Lang lebe die antiautoritäre Erziehung.

Den Mann des Ehepaars direkt neben uns konnte die Frau nur mühsam zurückhalten. Ich vermute, er hätte den kleinen Pinkler am liebsten direkt in den kalten Pool geworfen.

Ich hätte wahrscheinlich applaudiert.

Und wenn Sie gerne wissen wollen, wie es um das Wasser bei Ihrem nächsten Freibadbesuch ist, dann halten Sie doch einfach mal die Nase in den Wind. Denn der Schwimmbadgeruch entsteht erst dann, wenn das Chlor mit Harnstoff in Berührung kommt. Durch eine chemische Reaktion entsteht dann Trichloramin. In der Folge entsteht der uns bekannte Chlorgeruch.

Das heißt also: Je mehr es in einem Schwimmbad nach Chlor riecht, umso höher ist der Uringehalt im Wasser.

Kribbelt es schon in der Nase?

Die gute Nachricht: Der Urin im Schwimmbad schadet aber nicht.

Denn Urin ist eigentlich steril.

Und tatsächlich ist Urin bzw. Urea ein oft eingesetztes Mittel in Körperpflegeprodukten. Der Harnstoff darin ist ein wichtiger Feuchtigkeitsspender.

Cremes mit einer geringen Urea-Konzentration sorgen für eine geschmeidigere, weniger rissige Haut. Aber auch andere Kosmetikprodukte zählen auf die Kraft des Harnstoffs: Zahnpasta mit Urea soll gesundes Zahnfleisch fördern, Shampoos versprechen eine beruhigende Wirkung für strapazierte Kopfhaut.

Lange Zeit wurde Urea auch aus Pferdeurin hergestellt, doch seit etlichen Jahren wird er nun schon chemisch synthetisiert.

Wir können also durchatmen. Ganz so eklig ist es dann wohl doch nicht.

Wie wäre es, wenn wir ab sofort uns etwas vornehmen würden: Wer mal muss, macht’s draußen, außerhalb des Beckens… na, Sie wissen schon. Auf der Toilette eben. Dann könnte auch ich den nächsten Freibadbesuch mit meiner Familie wieder etwas mehr genießen!

Schöne Ferien!

20.07.2019

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