Die Norderstedterin Kolumne Maike Heggblum Wovor haben Sie Angst?
Maike Heggblum

Maike Heggblum

Und wovor haben Sie Angst?

Sind es eher kleine krabbelige achtbeinigen Haustiere und Sie haben seit langem eine Arachnophobie – also eine Angst vor Spinnen – oder bereitet Ihnen die Vorstellung, eine Schlange berühren zu müssen, Gänsehaut? In meinem Bekanntenkreis gibt es auch viele Menschen mit einer Astraphobie. Nein, ich meine natürlich nicht das Bier, sondern die Angst vor einem Gewitter. Vielleicht fürchten Sie sich aber auch vor der Dunkelheit und haben eine Nyktophobie.

Weit verbreitet sind auch Höhen- und Flugangst, also die Acrophobie und die Aviophobie.

Ich hingegen bekenne mich offen zu meiner Melissophobie. Machen Sie sich aber keine Sorgen, meine Melissophobie hat rein gar nichts mit der Melisse als Pflanze zu tun. Ich muss allerdings zugeben, dass ich unter einer ziemlich ausgeprägten Variante dieser Phobie leide. Meine Familie ist glaube ich auch ganz froh, dass sich meine Phobie nur auf die Sommermonate beschränkt.

Was mein Problem ist?

Ich habe ganz fürchterliche Angst vor Wespen.

Diese kleinen fiesen bösartigen Plagegeister, die es im Sommer allem Anschein nach nur auf mich abgesehen haben. Sie wollen immer an mein Eis und sitzen beim Grillen ausgerechnet immer auf meinem Teller. Als wüssten sie ganz genau, dass ich erst stocksteif sitzen bleibe, um dann im nächsten Moment fluchtartig ins Haus zu verschwinden und die Tür panisch hinter mir zu schließen.

Jetzt denken Sie bestimmt, wie man doch vor einem so winzig kleinen Tier Angst haben kann. Da gebe ich Ihnen Recht. Und wie erklären Sie sich dann, dass gerade alle wegen einem noch viel kleineren Lebewesen, einem Virus solche Angst haben und Panik bekommen? Es ist doch noch viel kleiner und bestimmt nicht so hinterhältig und bösartig, wie so manche Wespenart.

Warum suchen wir uns nicht einfach eine neue Angst aus. Eine, die ein wenig außergewöhnlich ist. Mit dem entsprechenden Fachbegriff dazu klingt so eine Angst gleich mehr nach einem abgeschlossenen Studiengang oder eher nach einem Titel, als nach einer Angst. Wie wäre es mit einer Cymophobie, also einer Angst vor Wellen?

Nein? Ich merke schon, wegen ein paar Wellen wollen Sie ihren nächsten Strandurlaub nicht absagen.

Na gut.

Dann vielleicht lieber eine Gymnogasterphobie? Da bin ich auf jeden Fall auch mit dabei. Die Angst vor nackten Bäuchen ist im Sommer am Strand durchaus berechtigt.

Wie wäre es alternativ mit einer Glucodermaphobie, also der Angst vor Milchhaut. Undenkbar oder? Die Haut auf dem warmen Kakao oder der Milch ist doch eigentlich das Beste daran.

Denkbar wäre sicherlich auch eine Autodysomophobie aufgrund einer Ablutophobie.

Jetzt überlegen Sie doch mal.

Die Autodysomophobie ist die Angst, dass der eigene Körper unangenehm riechen könnte und die Ablutophobie ist die Angst vor dem Waschen und Baden. Wenn dann noch eine Caligynephobie, also eine Angst vor schönen Frauen – dazukommt, wird es ganz schön verzwickt.

Wer erstmal klein anfangen möchte, kann es auch mit einer Anatidaephobie versuchen. Die Angst von Enten beobachtet zu werden. Versuchen Sie es mal beim nächsten Spaziergang am See. Sie können es aber auch erst einmal mit einer Hippopoto­monstro­sesquippedalio­phobie probieren, der Angst vor langen Wörtern. Zittern Sie schon?

Von einer Hygrophobie würde ich Ihnen in Norddeutschland dringend abraten. Eine Angst vor Nässe und Feuchtigkeit ist hier doch eher unpraktisch.

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Doch egal welche Angst Sie wirklich haben und wie schwierig es ist mit dieser umzugehen, Angst ist wichtig.

Und Angst ist ein Gefühl, dass jeder kennt.

Kommt in uns das Gefühl von Angst auf, erkennen wir es als Warnsignal dafür, dass irgendwas Bedrohliches passiert. Der Körper schüttet Adrenalin und Cortison aus und hilft uns, blitzschnell zu handeln. Angst zu haben ist also wichtig, sie schützt uns.

Und auch wenn die Angst manchmal unbegründet scheint, wie beispielsweise die Angst vor Brücken, also eine Gephyrophobie, ist sie dennoch da. Manchmal auch nur für einen winzigen Moment, ein kleines ungutes Gefühl im Magen.

Eltern kennen das. Sie leben ständig in Sorge und haben Angst um ihre Kinder. Sobald die Kleinen auf der Welt sind, geht es los und es wird auch nie wirklich aufhören. Aber trotzdem lassen wir die Kleinen alleine draußen Spielen und sind nicht ununterbrochen an ihrer Seite. Die einwöchige Klassenreise oder die Austauschreise nach Australien fühlen sich trotzdem unendlich lange an.

Wir möchten am liebsten zu jeder Zeit die Kontrolle haben und diese nicht abgeben.

Meine Angst vor Wespen im Sommer stört mich und meine Mitmenschen manchmal auch sehr und sie ist auch nervig, aber ich lasse nicht zu, dass sie mein Leben lahm legt. Deswegen gehe ich im Sommer trotzdem ins Schwimmbad, esse ein Eis und genieße ein kühles Radler auf der Terrasse eines Restaurants. Und ich tätige auch keine Hamsterkäufe und verlasse nur noch bei Regen mein Haus. Ich verwende weiterhin normales Haarspray und sprühe meinen Körper nicht mit Insektenspray ein. Ich lebe mein Leben.

Die Angst davor an einem Virus zu erkranken ist immer aktuell, denn Viren und Bakterien sind ein Teil unseres Lebens. Sie sind überall. Wir sollten nur nicht zulassen, dass diese Angst uns handlungsunfähig macht und wir weiterhin rational denken. Lassen Sie nicht zu, dass dieses Gefühl Ihr Leben bestimmt. Treffen Sie bewusst Entscheidungen und genießen Sie schöne unbeschwerte Momente einmal mehr.

Das Leben ist zu kurz, um es voller Sorgen mit einer Dose Hühnersuppe und kiloweise Nudeln vor dem Fernseher zu sitzen und auf die nächste Schreckensnachricht zu warten.

 

Maike Heggblum

04.03.2020

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