Kolumne die Norderstedterin Maike Heggblum Diät
Maike Heggblum

Maike Heggblum

Von Diäten und Tannenbäumen

Weihnachtsgans, Rotkohl, Klöße und zum Nachtisch Obstsalat mit Eis und einem großen Klecks Schlagsahne: Die Weihnachtszeit ist nicht gerade eine Zeit des sparsamen Essens. Schon weit vor dem Fest, auf diversen Weihnachtsfeiern mit Kollegen oder von Sportvereinen wird geschlemmt, was das Zeug hält. Und ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist langweilig ohne Schmalzgebäck, Bratwurst, gebrannten Mandeln und heißem Glühwein. Dazu kommt jeden Tag mindestens ein leckeres Schokoladenteilchen aus dem Adventskalender. Von den selbstgebackenen Plätzchen wollen wir an dieser Stelle lieber gar nicht erst sprechen. Sie wissen schon, was ich meine.

Diese Leckereien gehören zur Weihnachtszeit einfach mit dazu – für mich jedenfalls.

Wie soll denn auch festliche Stimmung aufkommen, wenn man bei dem ganzen Stress mit Geschenken und Vorbereitungen auch noch Salat und Gemüsehäppchen zu sich nehmen soll? Weihnachten und Schlemmen gehört einfach zusammen.

Schön wäre es dann jedoch bloß, wenn es mit den lästigen Pfunden nach den Feiertagen genauso einfach wäre wie mit einem Tannenbaum.
Erst sucht man sich den Schönsten raus, schmückt sich damit, erfreut sich über die Feiertage am Anblick und lässt ihn nach den Feiertagen einfach bequem wieder abholen. Also die Pfunde natürlich.

Leider ist das nicht so einfach.

Im Gegenteil.

Die lästigen Pölsterchen halten sich viel länger, als so manche Nadel am Baum. Einige ganz hartnäckige halten sich sogar bis zum Sommer und wollen am liebsten überhaupt nicht mehr gehen.

Ein Glück hat sich eine ganze Industrie nur auf diese Problematik spezialisiert und wartet nur darauf, dass die Feiertage endlich zu Ende gehen, um mit ihren Abnehmprogrammen und ihren penetranten Werbeaktionen zu starten.

Egal wohin man sieht, überall geht es um das Thema Gewichtsreduktion. Shakes, Kochkurse, Aktionswochen im Fitnessstudio, Ernährungsexperten und Bücher und Magazine mit Ernährungstipps schießen wie Pilze aus dem Boden. Und sogar im Fernsehen dürfen wir anderen Menschen dabei zusehen, wie sie unter Tränen versuchen, ihre lästigen Pfunde loszuwerden. Und jeder hat den ultimativen Tipp, mit dem er es geschafft hat, in nur wenigen Wochen wie ein graziles Topmodell für Bademode auszusehen.

Erst vor ein paar Tagen habe ich eine Freundin auf einer Neujahrsveranstaltung getroffen. Das dort angebotene Buffet war atemberaubend. Garnelen, Roastbeef, Königsberger Klopse und eine leckere Vanillecreme als Dessert.
„Ich esse keinen Zucker mehr“, sagte sie mit dem Versuch überzeugend rüberzukommen.
Mir fiel vor Lachen fast das Schnittchen aus dem Mund.
Aha!
Noch so ein armes Diätopfer!
„Keinen Zucker mehr? So gar nicht?“
„Nein“. Jetzt klang sie aber schon ein wenig zickig. Muss wohl am Zuckermangel liegen.
„Prima, dann bleibt mehr Nachtisch für mich“, gab ich ein wenig belustigt zurück.
„Ich hole mir lieber noch etwas zu trinken. Soll ich Dir etwas mitbringen?“
„Gerne ein Wasser“, antwortete ich schnell.
Keine Minute später kam sie wieder zurück. Mit zwei Gläsern. Ein Wasserglas für mich – und ein Weinglas für sich.
„Aha, da hat Deine Anti-Zucker-Diät ja lange gehalten.“
Ich wurde mich einem bösen Blick bestraft.
„Ich verzichte nur auf weißen Raffinadezucker“, gab sie zurück.
Ach herje, ich wechselte lieber schnell das Thema, bevor ich mir noch eine Predigt über gute und schlechte Nahrungsmittel und die schädlichen Wirkungen von Zucker anhören musste.

Und es ist doch jedes Jahr im Januar das Gleiche. Egal wohin man kommt: alle machen Diät. Manchmal auch getarnt unter dem Deckmantel „Ernährungsumstellung“.

Ich erinnere mich noch gut an Zeiten in einem Großraumbüro, wo man als Außenseiter galt, wenn man nicht gleich am 2. Januar nur noch Müsli, Salat und hübsch geschnittene Möhrchen dabei hatte. Mindestens aber im Fitnessstudio oder  zum Treffen der beiden umgedrehten M´s sollte man in jedem Fall gehen. Weigerte man sich, diesem Trend Folge zu leisten, wurde man mit mitleidigen Blicken und Pausen in Einzelhaft bestraft. Süßigkeiten durften nur noch in der Schublade verwahrt werden und essen konnte man diese nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder wenn die Kollegen gerade in der Küche die zweite Runde ihres Eiweißshakes anrührten.

Und so ist es natürlich auch nur selbstverständlich, dass man als normal essender Mensch bei der morgendlichen Begrüßungsrunde kein „Oh, hast Du etwa schon abgenommen?“ zu hören bekam.

So ein Blödsinn.

Ich hingegen sehe es einfach entspannter. Es gibt ein Sommer- und ein Wintergewicht. Und das pendelt sich ganz von alleine ein. Im Winter brauchen wir ein wenig Speck, um bei eventuell auftretenden Infekten etwas zuzusetzen haben und im Sommer bei 30 Grad schmecken Salate und Grillfleisch ohnehin besser als Rotkohl und Klöße. Warum also der ganze Stress? Wer gibt eigentlich vor, wie wir auszusehen haben und was schön ist?

Wie wäre es, wenn wir einfach mal damit anfangen uns so zu lieben, wie wir sind? Sind wir weniger liebenswert, nur weil aus der kleinen Speckrolle über die Feiertage eine kleine Frühlingsrolle geworden ist?

Und es gibt wirklich nettere Komplimente als der Hinweis darauf, dass unser Gegenüber abgenommen hat. Ein Hinweis auf die tolle Frisur oder das hübsche Oberteil haben die gleiche Wirkung und zaubern ebenso ein Lächeln auf das Gesicht unseres Gegenübers.

Wenn es Ihnen also heute noch niemand gesagt hat, dann werde ich es an dieser Stelle tun:
Genießen Sie den Tag, stressen Sie sich nicht damit, Kalorien zu zählen und Nudeln vor dem Kochen zu wiegen. Sie sind großartig! Gehen Sie raus, atmen Sie tief ein und seien Sie glücklich. Denn wenn etwas schön ist, dann sind es glückliche Menschen.

 

Maike Heggblum

14.01.2020

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